36 Jahre Mauerfall: Freelancer im Ost-West-Vergleich
Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland weiterhin wirtschaftliche Unterschiede. Dass Angestellte im Osten Deutschlands im Durchschnitt geringere Gehälter erzielen als Beschäftigte im Weste, ist bekannt – daran hat sich auch 2026 nichts verändert. Doch wie sieht es bei Freelancern aus? Die Auswertung des Freelancer-Kompass 2026 zeigt, ob sich regionale Unterschiede auch bei freien Experten bemerkbar machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Freelancer im Westen erzielen durchschnittlich höhere Stundensätze als Freelancer in Ostdeutschland.
- Die demografischen Unterschiede zwischen beiden Regionen fallen dagegen gering aus.
- Remote-Arbeit ist bundesweit das dominierende Arbeitsmodell.
- IT bleibt sowohl im Osten als auch im Westen die wichtigste Branche für Freelancer.
Stundensatz: West-Freelancer verdienen fast zehn Euro mehr
Am 09. November 1989 fiel die deutsche Mauer – knapp ein Jahr später, am Tag der deutschen Einheit, unterzeichneten die beiden Verhandlungsführer der jeweiligen Teile Deutschlands den deutsch-deutschen Einigungsvertrag zwischen Ost- und West. Ein Ereignis, welches das bisher getrennte Land zusammenbringen und die Gleichberechtigung wieder herstellen sollte. Nichtsdestotrotz trennt die alten und neuen Bundesländer weiterhin eins: Die Gehalts-Kluft.
Die Auswertung des Freelancer-Kompass 2026 zeigt, dass Freelancer in Westdeutschland durchschnittlich 104 Euro pro Stunde verlangen. Freiberufler in Ostdeutschland erzielen mit 98 Euro einen um sechs Euro niedrigeren Durchschnittsstundensatz. Entsprechend überschreiten westdeutsche Freelancer häufiger die Marke von 100.000 Euro Jahresbruttoumsatz.
In Freelancer-Kreisen haben die westdeutschen Auftragnehmer die Nase ebenfalls vorn: Den höchsten Durchschnitts-Stundensatz verlangen freie Experten in Schleswig-Holstein mit 108 Euro pro Stunde, wohingegen ostdeutsche Top-Verdiener in Berlin mit 4 Euro weniger nach Hause gehen.
Die wichtigsten Kennzahlen zwischen Ost- und Westdeutschland
| West | Ost | |
| Durchschnitts-Stundensatz | 104 € | 98 € |
| Höchster Stundensatz | Schleswig-Holstein – 108 € | Berlin – 104 € |
| Niedrigster Stundensatz | Bremen – 91 € | Sachsen – 89€ |
| Rücklagen fürs Alter pro Monat | 1.129 € | 1.023 € |
| Prozent vom Nettoeinkommen | 16 % | 15 % |
| Bruttoumsatz über 100.000 € | 49 % | 38 % |
Auch beim Vermögensaufbau macht sich dieser Unterschied bemerkbar: Freelancer im Westen können durchschnittlich rund 100 Euro mehr pro Monat für ihre Altersvorsorge zurücklegen als ihre Kollegen im Osten.
Dieses Bild entspricht auch der allgemeinen Einkommensentwicklung in Deutschland. Laut aktuellen Gehaltsanalysen der Online-Jobplattform Stepstone verdienen Arbeitnehmer in Ostdeutschland (48.750 € brutto pro Jahr) nach wie vor durchschnittlich weniger als Beschäftigte in Westdeutschland (56.250 € brutto pro Jahr).
Durchschnittliche Stundensätze der Freelancer nach Bundesland
| Bundesland | Stundensatz |
| Schleswig-Holstein | 108 € |
| Nordrhein-Westfalen | 106 € |
| Niedersachsen | 106 € |
| Rheinland-Pfalz | 105 € |
| Berlin | 104 € |
| Hessen | 104 € |
| Hamburg | 103 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 102 € |
| Bayern | 102 € |
| Baden-Württemberg | 101 € |
| Thüringen | 101 € |
| Brandenburg | 94 € |
| Saarland | 93 € |
| Sachsen-Anhalt | 92 € |
| Bremen | 91 € |
| Sachsen | 89 € |
Obwohl Freelancer in beiden Landesteilen einen ähnlichen Anteil ihres Einkommens zurücklegen. Im Westen sind es 16 Prozent und im Osten 15 Prozent. Der geringe Unterschied summiert sich langfristig. Hochgerechnet auf einen Zeitraum von 30 Jahren können westdeutsche Freelancer rund 35.000 Euro mehr für ihre Altersvorsorge ansparen.
Demografie: Acht von zehn Freelancern kommen aus dem Westen
Der Freelancer-Kompass 2026 zeigt, dass 84 Prozent der befragten in Westdeutschland leben, während 16 Prozent ihren Standort in Ostdeutschland haben.
Bei Alter und Geschlechterverteilung unterscheiden sich beide Regionen kaum. Freelancer im Westen sind durchschnittlich 48 Jahre, im Osten 47 Jahre alt. Der Frauenanteil liegt in beiden Regionen bei rund 14 Prozent, während Männer weiterhin den überwiegenden Teil der Freelancer stellen.
| West | Ost | |
| Anteil in Deutschland | 84 % | 16 % |
| Alter | 48 Jahre | 47 Jahre |
| weiblich | 86 % | 86 % |
| männlich | 14 % | 14 % |
hinweis
Arbeitsmodell
Auch beim Arbeitsmodell ähneln sich Ost und West stark. Die Mehrheit der Freelancer arbeitet überwiegend im Homeoffice, ergänzt durch hybride Arbeitsmodelle oder Einsätze direkt beim Kunden.
| West | Ost | |
| Arbeitet im Home-Office | 75 % | 69 % |
| Arbeitet Hybrid | 21 % | 22 % |
| Arbeitet beim Kunden | 4 % | 5 % |
| Workation | < 1 % | 3 % |
Die Top 3 Branchen im Ost-West-Vergleich
Bei den Einsatzbranchen zeigen sich nur wenige Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die mit Abstand wichtigste Branche bleibt in beiden Regionen IT und Software.
Während Freelancer im Westen besonders häufig für Behörden und öffentliche Stellen sowie im Bereich Gesundheit, Medizin und Pharma tätig sind, folgen im Osten die Bereiche Beratung sowie Energie auf den weiteren Plätzen.
| West | Ost |
| IT / Software – 32 % | IT / Software – 38 % |
| Behörden / Öffentliche Stellen – 21 % | Beratung – 17 % |
| Gesundheit / Medizin / Pharma – 17% | Energie – 17 % |
Fazit
Auch 36 Jahre nach dem Mauerfall bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland weiterhin Unterschiede im Freelancer-Markt- Zwar nähern sich die Regionen bei Alter, Arbeitsweise und Branchenstruktur zunehmend an, beim Einkommen bestehen jedoch weiterhin Unterschiede.
Westdeutsche Freelancer erzielen im Durchschnitt höhere Stundensätze und können dadurch häufiger höhere Jahresumsätze sowie größere Rücklagen für die Altersvorsorge bilden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Digitalisierung und die zunehmende Verbreitung von Remote-Arbeit regionale Grenzen immer weiter relativieren.
Insgesamt fällt der Ost-West-Unterschied bei Freelancern heute deutlich geringer aus als noch vor einigen Jahren – vollständig verschwunden ist er jedoch noch nicht.